Polymergravure

Die Zutaten

Für die digitalen Negative:

  • digitalisiertes Bild
  • Photoshop
  • Inkjet-Drucker (muss kein Profigerät sein)
  • Folien für Inkjet (z.B. Pictorio Premium OHP, Agfa Copy Jet)
  • Babypuder

für die Platten: 

  • KM73 Photopolymerplatten von Toyobo
  • UV-Quelle
  • Safe-light (rotes Licht)
  • Schale so groß wie die Platte
  • Handschuhe
  • Papiertücher
  • Föhn oder Heizlüfter
  • Hebel-Schneidemaschine
  • Schwamm

für den Druck:

  • glatte Unterlage zum Mischen der Tinte
  • Kuperdruckfarbe
  • Spatel (kann aus hartem Gummi sein)
  • Zeitungspapier und Druckerpapier
  • Wischgaze
  • Magnetfolie (darauf haften die Platten, das ist sehr angenehm beim Auswischen der Tinte!)
  • Baumwollpapier, mindestens 280g, bei Boesner gibt es Bögen von Kupferdruckpapier von Hahnemühle, bei Gerstäcker heißt es Kupferdruckkarton
  • Tiefdruckpresse
  • große Schale, um das Papier einzuweichen
  • Seidenpapier
  • Trockenpappe

 

Die Vorarbeiten:

1) Die 'Grundbelichtungszeit' herausfinden
2) Die Kurve für das Negativ herausfinden

Die Grundbelichtungszeit

Das ist ein bisschen haarig für mich, da ich die für meinen Prozess nach 4 oder 5 Belichtungsversuchen einfach festgelegt habe. Ich habe die Wattzahl meines UV-Belichters mit den Belichtungszeiten anderer verglichen und habe beschlossen, dass für meine Prozess 25 Minuten die Richtige Zeit ist.
Da ich nicht mit der Aquatintafolie arbeite, kann ich da auch nicht den üblichen Weg gehen, der diese Belichtungszeit mit Hilfe einer Belichtungsreihe ermitteln könnte.
Man kann natürlich gleich mit einem richtigen Bild anfangen, das möglichst alle Grauwerte abdeckt oder aber man druckt sich den ThrobChart aus und macht mit diesem eine Belichtungsreihe.
Ich schlage vor, am Anfang eher große Schritte zu manchen (ich würde mit 30 sek, 1 min, 3 min, 5 min und 10 min anfangen, dann kann man schon sehen, ob man den Bereich, in dem es ein dichtes schwarz gibt (und nur der interessiert jetzt wirklich) getroffen hat oder ob sich da noch gar nichts tut. Dann müsste man noch eine Reihe starten, die dann mit 10 min anfängt und in größeren Schritten wieder nach oben geht. Die 10 min Anfangszeit helfen zu beurteilen, ob man ein beständiges Resultat mit dem Belichter erzielt - diese Zeit sollte genauso grau sein, wie auf der ersten Platte.

Stellt man fest, dass der Sprung von Grau zu schwarz zwischen 3 und 5 min liegt, macht man in der zweiten Belichtungsreihe kleinere Schritte, also 3 min, 3.30 in usw.

Jetzt habe ich natürlich einen kleinen Schritt übersprungen: die Platten werden ja nicht von selbst schwarz 😊 und sind auch noch nicht fertig, wenn man sie belichtet hat...

Also, zurück zum Ende der UV-Belichtung:

Die Platte wird jetzt im Wasserbad (Raumtemperatur) eine Minute lang ohne Bewegung entwickelt. Nach einer Minute wird sie unter fließendem Wasser abgespült und mit der Hand (am besten dem Handballen) wird die Schicht abgewischt, die durch das Negativ (also die bedruckten Teile der Folie) von der UV Strahlung geschützt waren und somit nicht gehärtet wurde, so dass die Vertiefungen in der Platte entstehen.

Hier gilt es sich ziemlich genau an die Zeiten zu halten, wenn man zu lange entwickelt, werden die Vertiefungen zu flach und der Druck damit zu flau.

Es gibt ein paar Horrorstories was einem so alles passieren kann, wenn man die Platten mit der Hand wäscht - also an dieser Stelle von mir der Hinweis: die Platten sind scharfkantig und Handschuhe wären wahrscheinlich vernünftig. Ich habe aber mit Handschuhen nicht genug Gefühl für den Druck, den ich auf die Platte beim Abspülen ausübe, daher verzichte ich darauf. 
Die Devise hier also: Obacht geben!
 

 

Das Negativ 

Für das Negativ braucht man ein digitalisiertes Bild, also ein eingescanntes oder abfotografiertes Bild oder auch ein mit einer Digicam aufgenommenes Bild.
In Photoshop wird das Bild erst einmal ganz normal bearbeitet, als ob man es zum printen oder für die Bildschirmanzeige bearbeitet, Tonwerte, Kontrast, Zuschnitt, Bildgröße (in diesem Fall auch gleichzeitig die Größe der Platte) ... all diese Bearbeitungsschritte nehmt ihr am besten mit 16 bit vor.
Die Polymerplatten arbeiten sehr hart, das heißt in unserem Fall, dass man nicht so viele Grautöne zur Verfügung hat, schon relativ 'mitteldunkle' Grautöne werden schwarz, hellere Grautöne werden dagegen sehr schnell weiß wiedergegeben. Um möglichst viele Grautöne zu haben muss man also die Grautöne der Bildes in Grautöne umwandeln, die die Platten darstellen können.
Dies geschieht mit Hilfe einer Kurve, die man in Photoshop über das fertig bearbeitete Bild legt.
Diese Kurve muss man für jedes verwendetet Material neu erstellen, der Drucker, die Folie, die Belichtungseinheit - all das hat Einfluss auf den Kurvenverlauf.
Zur Erstellung der Kurve geht es hier.

Nach dem Hinzufügen der Kurve ist das Bild nun fertig zur Umwandlung in ein Raster.
Die Platten können ja keine Grautöne wiedergeben, dieser Eindruck wird erzeugt, in dem man schwarze und weiße 'Punkte' in verschiedener Dichte setzt (wie die Wiedergabe on Bildern im Siebdruck oder in der Zeitung). Wenn diese Punkteverteilung regelmäßig ist, dann kann man das Rastermuster erkennen, man kann aber auch ein stochastisches Raster erzeugen, also ein vom Computer erstelltes, willkürliches Raster, dessen Verteilung man nicht erkennen kann.

Genau das wollen wir - und erreichen es in Photoshop indem wir zuerst einmal unser Bild samt Kurve in ein Graustufenbild umrechnen. Dabei fragt Photoshop in der Regel, ob man alle Ebenen auf eine reduzieren will, auch das wollen wir 😊.
An dieser Stelle müssen wir auch in den 8-bit-Modus wechseln, denn nur dort steht die Möglichkeit 'in Bitmap umwandeln' zur Verfügung.

An dieser Stelle sind zwei Einstellungen wichtig, einmal die Ausgabe: das sollte mindestens 1500 Pixel/Zoll sein (das sollte der Drucker so wiedergeben können) , ich habe 2000 gewählt, je höher die Zahl desto feiner ist das Raster.
Die andere wichtige Einstellung ist die Methode, hier müsst Ihr Diffusion-Dither nehmen, das ist die Umwandlung in ein stochastisches Raster.
ich hab hier als Eingabe 1200 px/Zoll, das ist ziemlich hoch und liegt daran, dass ich das Bild einigermaßen hochauflösend eingescannt habe. Normalerweise printe ich meine Bilder auf einem Drucker und verwende daher meist 300 px/Zoll.

Bildschirmfoto 2017-02-04 um 17.20.34.png

Photoshop arbeitet dann ein bißchen und das Ergebnis ist dann Euer fertig gerastertes Bild, dass Ihr nun zum Drucker schicken könnt.
Ich drucke die Negative auf einem Wald - und Wiesendrucker von HP aus. Wichtige Einstellungen zum Druck sind:

  • schwarz-weiß Druck
  • Photoshop bestimmt Farben
  • absolut farbmetrisch
  • keine Tiefenkompensierung
  • optimaler Druck
  • Medium wenn möglich Folie oder Transparenz, wenn das nicht angeboten wird, würde ich's mit 'hochglanz' versuchen.

Ich verwende Agfa-Copyjet-Folien.

Die bedruckte Folie sollte wenn möglich über Nacht trocknen dürfen - wenn man's gar nicht aushält (so wie ich 😊) dann muss manchmal auch eine Stunde reichen, zumindest ist es bei mir bisher gut gegangen.

Die Kurve

Wie schon beim Thema Negativ erwähnt, arbeiten die Polymerplatten sehr hart, das heißt, man verliert viele Zwischenabstufungen zwischen ganz schwarz und ganz weiß. Das kann manchmal einen sehr künstlerischen Effekt geben - und in diesem Falle muss man die Kurve dann gar nicht verwenden, aber wenn man eine eher foto-nahe Wiedergabe des Druckes erreichen will, so muss man die Grautöne des digitalen Bildes sozusagen in den Bereich transportieren, den die Platten darstellen können, um ein möglichst nahes Ergebnis zu erhalten.

Diese Kurve muss man an die eigenen Materialien anpassen, sie hängt von der verwendeten Folie ab, von den eingesetzten Druckfarben des Druckers und von der Belichtungseinheit. Für uns bedeutet das, dass man 'eigentlich' keine fertige Kurve verwenden kann und auch, dass man, wenn man z.B. die Folie wechselt oder auch die Lampen im UV-Belichter auswechselt, sehr sehr wahrscheinlich auch die Kurve anpassen muss.

Es gibt mehrere Methoden, um zu so einer Kurve zu kommen.
Ich habe einmal die App Chart Throbb von Ben Elton verwendet und damit ganz gute Ergebnisse erzielt. Etwas verkürzt zusammengefasst, kann man dort ein Quadrat mit 101 Graustufenabstufungen herunterladen, druckt dieses dann auf eine Folie  (nachdem man sie in ein Raster umgewandelt hat 😉 !!) und belichtet eine Platte mit der 'Grundbelichtungszeit'.
Diese Platte druckt man und scannt den Druck ein. Dann kann ChartThrob die so erzielten Grauwerte mit den vorher ausgegebenen Grauwerten vergleichen und kann so errechnen, mit welchem Ausgabewert man einen gewünschten Grauwert erzeugen kann.

Diese Möglichkeit, Kurven über ein Bild zu legen, findet ihr unter 'Bild - Korrekturen'.
ChartThrob gibt die errechnete Kurve aus, die man dann (wichtig!) abspeichern muss.

Dies ist die Kurve, die ChartThrob für meine 'Zutaten' errechnet hat:

unter dem rot umringelten Menü-Button findet sich die Möglichkeit, die Kurve abzuspeichern.

unter dem rot umringelten Menü-Button findet sich die Möglichkeit, die Kurve abzuspeichern.

Mit der Kurve verändert sich das Bild sehr, es wird flau und wirkt kontrastarm - keine Sorge, das ist in Ordnung so, denn für die Platte ist es dann genau richtig 😉.

 
ohne Kurve

ohne Kurve

 
mit Kurve

mit Kurve

Es gibt auch noch eine andere, ziemlich unorthodoxe Art, zu einer Kurve zu kommen: Man verwendet einfach eine, die sich schon jemand erstellt hat und passt sie an.
Ist sicher nicht der 'richtige' Weg - ich konnte damit aber schnell und gut zu Ergebnissen kommen 😇.

Man kann in Photoshop die Gradationskurve auch manuell eingeben, dazu ruft man die Kurve auf und klickt mit dem Cursor auf einen Punkt der Kurve. Dann kann man die Eingabe und Ausgabefelder auch manuell eingeben.

Hier sind die Daten für meine Kurve (bsierend auf der von Chart Throb errechneten Kurve mit Nachjustierung durch mich)

Eingabewert:
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
 

 

Ausgabewert:
9
32
44
49
57
65
67
73
82
94
100

 
Das ergibt diese Kurve

Das ergibt diese Kurve

Die Belichtung

Ab jetzt heisst: Licht aus - erlaubt ist nur noch Dunkelkammerbeleuchtung.
Die Platten sind einzeln lichtdicht verpackt, ich habe mir erst einmal A4 Platten gekauft, die ich mit einer alten Hebelschneidemaschine zuschneide. Zum Start würde ich nicht ganz so große Platten empfehlen, ich habe mit A4 bzw. dem dazu korrespondierenden quadratischen Format gearbeitet - bei den Quadraten ergibt sich durch den Abschnitt gleich ein Probestreifen - das ist ganz praktisch.
Die Plattenteile, die im Moment also nicht belichtet werden sollen, werden wieder lichtdicht eingepackt (ich verwende die schwarzen Tüten, in denen auch Fotopapier aufbewahrt wird, man kann aber die ursprüngliche Verpackung auch wieder gut verkleben, das geht auch gut).

Dann legen wir die Platte in den UV-Belichter, darauf kommt dann das Negativ (mit der Schichtseite nach unten, also auf die Platte). Man kann auch bei Dunkelkammerlicht die Schichtseite daran erkennen, dass sie etwas matter ist, wo die Tinte aufgedruckt ist = Schichtseite 😉). 

Und dann einfach die Elektro-Sonne anwerfen und belichten.