Erste Erfahrungen mit der Pinhole Pro - Lochblende für Digitalkameras

 
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Vor einigen Monaten gab es eine Kickstarter-Kampagne für eine ‚professionelle’ Pinhole-‚Linse’ für Digitalkameras. Nachdem ich ja wirklich gerne und viel mit Lochkameras fotografiere – und dazu auch ein ziemlicher Fan dieser Kickstarter-Idee bin und daher immer wieder gerne bei solchen Projekten mitmache, habe ich mich da also als Unterstützerin angemeldet.
Ich habe schon mal ein paar Versuche mit einer Pinhole-Kappe an der Nikon gemacht, das ist allerdings schon einige Jahre her und war  von den Ergebnissen her einfach nicht ernst zu nehmen.
Aber nun eben eine neue Entwicklung, eine neue Idee, das war einen Versuch wert.

Die ‚Linse’ (in Anführungszeichen, denn es ist natürlich keine Linse sondern schlicht und ergreifend nur ein Tubus mit einer Öffnung, der an der Kamera wie ein Objektiv aufgeschraubt wird) wirkt sehr gut verarbeitet, die verschiedenen Blenden lassen sich sauber und gut einstellen. Bei dem Unterstützer-Paket war auch ein UV-Filter dabei – das ist zwar irgendwie unsinnig, vor eine Loch-Linse einen Filter zu schrauben aber mir hat diese Ergänzung dann doch sehr zugesagt, da ich auch kein gutes Gefühl habe, den Sensor sozusagen zu öffnen, das Loch ist zwar durchaus winzig aber Staub ist das ja auch...

Die Optik entspricht einer Brennweite von 50mm, dazu passt (das sagen zumindest die Spezialisten) die Blendenöffnung 0,30 (F 167).
Ich habe ein ganz klein wenig mit den verschiedenen Blendenöffnungen herumprobiert, es gibt 8 verschiedene, die kleinste entspricht ungefähr F 500 (an der PinholePro als 0,10 bezeichnet), die größte F 62  (=0,80).
Sehr schnell habe ich aber gemerkt, dass ich mit der kleinsten Öffnung am besten zurechtkomme – auch weil ich gerne – und gerade bei der Lochkamera- Langzeitbelichtungen mache. Meine XT-2 kann als niedrigste Empfindlichkeit  ISO 200 – darunter ist nur noch LOW – das könnte ISO 100 sein – das weiß ich leider nicht genau und ich finde auch nix dazu im Netz.

Der Wettergott meinte es sehr gut mit mir und ich war auch gerade in Berlin – dort gibt es ja ’meine’ Brücke, an die es mich immer wieder hinzieht und an der ich auch immer wieder gerne fotografiere. Bei allerbestem Herbstwetter mit strahlendem Sonnenschein waren die Belichtungszeiten auch mit der kleinsten Blende nur sehr kurz, meist zwischen 1 und 2 Sekunden, ganz selten mal 10 Sekunden.

Neu und sehr ungewohnt war, dass ich einen Sucher hatte und somit auch die Bildausschnitte gut festlegen konnte. Das haben meine ‚echten’ Lochkameras nicht und das gehört eigentlich schon auch mit zur Magie des ganzen Lochkamera-Fotografierens, dass man nicht so genau weiß, was alles drauf ist ...

Mein erstes Fazit ist eher durchwachsen. Das Handling der Linse war super gut, alles bewegt sich leichtgängig und genau, fühlt sich auch gut an, damit zu arbeiten. Die Belichtungsautomatik hat bei den guten Lichtverhältnissen auch wunderbar mitgespielt, ich musste also nicht umrechnen oder mit der Pinhole Assist App arbeiten. Die Bilder sind allesamt gut belichtet.
Für mich waren die Belichtungszeiten aber allesamt zu kurz – an der Brücke hätte ich zum Beispiel gerne das Wasser geglättet – und da war aber einfach nix zu machen, bei maximal 10 Sekunden wird es einfach nicht glatt genug. Wenn ich also mehr ‚Langzeit’ will, muss ich in Zukunft einen Graufilter aufschrauben.

Beim ersten Betrachten der Bilder in Lightroom musste ich dann feststellen, dass es unglaublich viele Sensorflecken gab. Ich bin ehrlicherweise nicht sicher, ob es wirklich Sensorflecken sind (in der FB-Gruppe gibt es auch die Theorie, dass es Newtonringe sein könnten – das erscheint mir kaum vorstellbar – aber wer weiß?) auf jeden Fall Unmengen an wirklich zornigen Flecken. Richtig viel und blöde Arbeit, das alles auszubessern.

Die Arbeit und die Zeit, die ich mir beim Film entwickeln und einscannen der Negative einspare, wird also ganz gut von den Nacharbeiten in Lightroom / Photoshop wieder aufgefressen.
Die Bilder selbst finde ich ziemlich verschwommen – oder um ganz ehrlich zu sein: zu verschwommen. In der Nachbearbeitung kann man auch da noch ziemlich viel machen – aber auch das kostet ganz gut Zeit.
Wahrscheinlich liegt diese ausgeprägte Unschärfe das an dem kleinen Sensor – meine Filme sehen jedenfalls nicht soo mega unscharf aus und es ist mir zu unscharf, es stört und trägt nicht zur Bildwirkung bei.
Der Vergleich ist jetzt natürlich ein bisschen unfair, ich belichte auf ein 6x6cm Negativ mit 25 ASA und das ist einfach ne ganz andere Kiste als ein Crop-Sensor bei 100 ISO. Aber das ist eben auch die Konkurrenz, die die PinholePro zumindest in meiner Kameratasche hat und mit der sie sich messen muss.

Was mir an der Sache gut gefällt, ist dass ich jetzt auch mal farbige pinholes machen kann, bisher habe ich mit den Farbfilmen nur ziemlich gräßliche Ergebnisse bekommen und außerdem auch drei Wochen drauf warten müssen, bis das Labor sie wieder entwickelt hatte. Da tun sich jetzt mit der PinholePro doch bessere Möglichkeiten auf.

SKGB3794.jpg

Also im Großen und Ganzen eine ganz gelungene Umsetzung der Lochkamera-Idee für digitale Kameras, für mich persönlich kommt es noch nicht wirklich an die analogen Lochkameras heran. Sollte es eine Weitwinkelversion der PinholePro geben, wäre ich allerdings sicher wieder dabei!